01/03/2010

Zuhause

Menschen haben im Laufe der Geschichte über vermeintlich größeres Geschrieben. Woran sie nicht alles geglaubt haben: Wahrheit, Gott, Seelen — Worte für die gleiche verzweifelte Hoffnung, dass das Gute, das Schöne und das Wahre doch das Gleiche sein müssen. Als ich entdecke, dass tape.tv (erster Teil englisch, zweiter deutsch auszusprechen), ein Startup, das versucht meiner älterwerdenden Generation mit alten Metaphern ein neues Medium zu verklären, endlich einen richtigen Vollbildmodus hat, erklingt das Mailversendesignal, das einzeigt, dass ein weiterer Monat vorbei ist. Ein automatisierter Mechanismus versendet jeden Monat eine Erinnerung, dass ich die Online-Versionen von irgendwelchen Rechnungen runterladen soll, was ich natürlich nie tue. März 2010, wahrscheinlich habe ich mir nie vorgestellt, dass mal wirklich zu erleben und wohin, wohin mit zuviel Leben? Irgendjemand hat mal gesagt, dass Schreiben Abkühlen sei, heiße ungefilterte Emotionen fließen in das Nichts von schwarzen Lettern und erstarren dort, werden zu etwas anderem. Schrift ist ein unfassbar ungeeignetes Medium um irgendetwas Gefühltes zu kommunizieren. Was zur Hölle sind eigentlich Landungsbrücken und wann waren die da zum letzten Mal? Nostalgie ist ein seltsames Wort, es bezeichnet ziemlich buchstäblich einen Schmerz, der sich so anfühlt als würde jemand im Inneren des eigenen Körper einen spitzen Fingernagel in sehr empfindliches Fleisch stoßen. Schmerz der Vergangenheit, der Heimat, des Zuhauses, zum ersten mal diagnostiziert bei schweizerischen Soldaten in der Fremde. “Zuhause” — eines dieser mythischen Worte deren Bedeutung ohnehin niemand versteht, weil sie sich dort wo sie großgeworden sind, eigentlich nicht heimatlich fühlen. Es ist etwas anderes. Eine Freundin von mir beschrieb mal einen Moment in ihrer Vergangenheit in dem an irgendeinem signifikanten Tag Menschen Laternen am Meer steigen ließen. Jene, bei denen man sich etwas wünscht und ganz auf das nächste Jahr setzt. Die Erfüllung aller Hoffnungen, die nächsten 365 Tage wird sie bringen. Am Ende ist immer alles wie vorher. Mit welcher Entschuldigung bin ich jetzt noch der gleiche Mensch? Sie stand dort mit ihrer Familie, Vater, Mutter und der kleine Bruder und sie fühlten sich als eines, der Vater erfüllte seine Erwachsenenpflicht und kaufte Laternen für alle und sie stehen versunken in ihrer jeweils eigenen Welt am Meer und für einen Moment schienen sie eine Einheit, die eine große Familie. Die sie nicht waren, der Vater hatte Affären, die Mutter war Alkohlikerin, der Sohn war geistig behindert…und die Tochter? War nie erwachsen geworden. Ein Mädchen, das mit Farbstiften spielt.

Ich fühlte mich zum letzten Mal zuhause als ein Mädchen, für das ich gewaltige Hoffnungen hatte, mit mir in einen Fluss starrte dessen nächtlich, schwarzsamtenes Wasser langsam an uns vorbeizog und ihren Kopf auf meine Schulter legte. Eine Bitte und wie ich dachte ein Versprechen. Zuhause, das heißt Geborgenheit, es bedeutet jemanden, der vor Wut ungläubig still zu zittern beginnt, wenn man ihm nur von der schieren Möglichkeit berichtet, dass ein anderer mir weh tun wollte, dass ich ungerecht behandelt wurde, egal ob das wahr ist oder falsch, übertrieben, einseitig und nicht fair. Loyalität — das ist angesichts brüchig-altersschwach realem Alltag das Zauberwort.

Ich hab zuerst gefragt…

Ich bat mal einen Freund mir von Zuhause zu erzählen und er hörte nicht mehr auf zu reden. Wir saßen auf dem Boden eines ekelhaften Büros einer steinernen Universität und ich lauschte all diesen Erfahrungen und es war nur an den Bruchstellen, nur in den Zwischenräumen, das man zu verstehen begann, dass er von etwas sprach über das er lange gegrübelt hatte, aber in, an oder bei dem er nie gewesen war. Er erzählte von einer kleine Schwester, die er, wie ich später erfuhr, nie gehabt hatte, ein Bruder war bei der Geburt gestorben. An ihr war nichts besonders und eben das zeichnete sie aus, sie liebte ihn und zwar bedingungslos und er war ihr großer Bruder und dies ebenso. Er erzählte, wie er sich für sie ob Ehrenkränkung geprügelt und verloren hatte, aber jeden Schnitt jeden Riss, jede Schwellung und Prellung mit Stolz und Würde getragen hatte. Er beschrieb mir, wie er sie auf dem elterlichen Dachboden gefunden hatte, weinend, schluchzend, als ihre Welt angesichts ihres ersten Freundes unterging. “Jungs, die mit 14 schon selbstbewusst sind, können nur Idioten sein.” Er hatte sich neben sie gesetzt, sie in den Arm genommen und sonst nichts getan. Alles nicht real? Der Mann, der eine kleine Schwester erfand, war später im Leben an guten und aufrichtigen, also nichtssagenden, Frauen gescheitert, die ihm allesamt Emotionslosigkeit vorgeworfen hatten. Jetzt griff er in eine Bierkiste und zog ein weiteres abgelaufenes Bier, das von irgendeiner Veranstaltung übrig geblieben war, hervor und konnte nicht aufhören mir Lügen zu erzählen. Eine schöner als die nächste. Ein Mensch, der ein Leben erfindet, wie es sein sollte. Dinge, die nicht vorhanden sind, die wir formulieren, vielleicht sogar aufschreiben in einer wahnsinnigen Hoffnung, das sie dadurch etwas mehr im Leben stehen. Zuhause ist ein Ort, der niemals existieren kann, er ist unsere Vorstellung von dem wie alles sein sollte und den wir so verzweifelt versuchen irgendjemandem verständlich zu machen. Er ist unsere Hoffnung auf ein Leben, an dem das Problem, das niemand uns versteht, nicht existiert, aufgehoben ist, weil es eine Welt beschreibt, die jeden beinhaltet, der uns etwas bedeutet und alle zwar einsehen, dass sie mich nicht verstehen, an dem sie in ihren hellsten Momenten wahrhaft begreifen, dass ich verrückt bin, anders, abnorm, seltsam, aber an dem sie mich dafür lieben und bereit sind jeden Kompromiss einzugehen. Es ist ein Ort, den ich für unzählige Menschen versucht habe hervorzubringen und doch hat es nur selten geklappt. Mein Sofa ist geziert von den Flecken dicker Tränen, die so manche dort vergossen hat, um sich gleich dafür zu schämen. Absurd: So soll sie niemand sehen, das rührt zu sehr am Kern des Seins, so dramatisch ist das alles nicht. Das zeigt sie nichtmal, oder gerade nicht, dem Mann, den sie zu lieben, mit dem sie sicher aber zu schlafen scheint. Was soll man dazu sagen? Was bleibt dann noch? Melancholie bedeutet wortwörtlich einen Wahn und nicht irgendeinen, sondern solchen, der einer “schwarzen Galle” gleicht, einen den manch einer den “göttlichen” Wahn nannte. Melancholie, Nostalgie — das sind für manche Menschen Zustände, in denen man sich verlieren kann, die einen kaputt machen, die einen ablenken vom Alltag. “Ich will nicht mehr traurig sein”, gerät zum Schlachtruf einer ganzen Generation. Ich kann nicht anders als das als Irrtum zu sehen. Beides beschreibt ein Gefühl, einen Drang, der nur einem einzigen Ziel gilt, nämlich dem geistig, sinnlichen Erschaffen jener Welt, in der wir “wirklich wir” sein können. Genau das aber ist “Zuhause”. Das Symbol für den ewigen Wunsch einmal anzukommen. Manchmal frage ich mich ob die Menschen, die Angst haben über dies nachzudenken, nur nicht sehen wollen, wie viel Kompromisse sie aus Trägheit, aus Angst, aus mangelnder Sorgfalt wirklich eingegangen sind. Und dann suchen sie sich etwas, meistens einen Partner, der so simpel ist, dass sie ihn verstehen können. Was man verstehen kann, ist zu kontrollieren. Oder ist das gekränktes Ego?

Manchmal ist es Zeit zu gehen…

28/01/2010

The Words of Joseph Conrad (1)

„Pärchen auf der Wiese, lag da und schlief, lag da und schlief.“ Ich sang aus voller Kehle.

„Pointe?“, keifte das Häschen böse.

„Miteinander!“, raunzte ich zurück.

„Ein schlechter Reim!“, forderte der Hase und verschwand.

Ich stand auf einem Hügel über dem Land und starrte auf meine Hand. Ein Teller und fünf Finger. Animalisch-Kanibalisch. Kanibalisch-Anmalisch. Malerisch. Das Land. Wahnsinn kroch auf klammen Pfoten über den Rand und schlug sich als Film auf uns nieder. Ich begann sie immer wieder auf- und auszurollen: Meine Habe, mein Kapital, mein Meisterstück. Sieben Jahre. Knochen, Knorpel, Kohlenstoff. Ich stellte mir die nächsten Monate vor: wieder und wieder würde ich schreiben: „Seht her, was ich kann, ein Kunststück, ein Kunststück von ganz besonderer Art.“

Zuckend brachte es sich in Formen. Gebrauchsanweisungen. Ein Hoch auf die Ausdauer, eins auf die Leistung, auf die Begeisterung, das Team und die Herausforderung.  „Heeeheeeeeeeheeeeeey“. Es geht drunter, drauf oder drüber — eigentlich aber immer vorbei. Wie aufgereiht standen sie da, weiß-schwarze Kittel, blanke Zähne, Schmeichelstimme und ein ach so heiter, freundlich Lachen. Mein ganzes Leben stets aufs Neue zerbrochen, zerschunden und neugekittet: auf das es passt, auf das es eitel ist. Alles geplant, alles gewollt — Wahnsinn ist nur es mir zu glauben.

Das hier ist das nervöse Lachen von Einem, dem sie einst mehr versprochen hatten. Wie im Fieber betrachte ich Kinder auf der Straße und langsam, ganz langsam kriecht eine Sehnsucht hinein. Ein Kind zu haben, um stolz zu sein, eine Tochter, einen Sohn; eine von den Guten, der ich die Welt zeigen kann, aber nur und immer nur aus diesem einen Grund, dass sie dann wieder einen Wert und einen Sinn haben muss. Wir werden älter und wir sehnen uns nicht wirklich nach Kindern, sondern nach dem Moment, in dem UNS unsere Eltern diese eine Lüge erzählt haben: Da standen wir. Starrten auf das Schauspiel eines farbenfrohen, heiteren Miteinanders, das für uns inszeniert wurde. Eine Schicksalsgemeinschaft, vereint um die Illusionen von Wert und Würde aufrechtzuerhalten.  Und so nahmen Sie unsere klebrigen, warmen und niedlichen Hände, um sie auf etwas zeigen zu lassen, um sie zu führen und dann: Lachen, Bestaunen, Umzingeln. Zwei Gefühle kennen wir als Kind in dieser Zeit, absolute Begeisterung, volle Liebe und abgrundtiefen Hass. Wir glucksten und schnaubten und strampelten, wie heute noch in den Situationen, die wir nicht kennen, die uns kurz orientierungslos machen. Das Leben ab hier ist eine Erstarrungsbewegung. Sie erzählten uns, dass wir Wunschkinder seien und erst jetzt begreifen wir langsam was wir in Wahrheit waren: Therapie, Ablenkung, Beschäftigung. Berauscht haben Sie sich an unserer Blindheit, unserer Naivität, genossen haben Sie die Zeit, in der sie um unseretwillen noch einmal so tun konnten, als gäbe es das Ziel, den Weg, den Sinn, die Ordnung, als wäre die Welt von kompetenten und weisen Männern sorgfältig geplant, als müssten wir uns anstrengen, als würden wir grausam bestraft, wenn wir uns nicht an die ungeschriebenen aber ewigen Regeln halten. Lügen? Es muss die schönste Zeit ihres Lebens gewesen sein. Das sie uns betrogen, wer soll es Ihnen übel nehmen. „Vielleicht kommt ja alles in Ordnung bis sie groß geworden sind.“

Und so funktioniert es, so pflanzt es sich fort. Leistungsfähigkeit sind ein paar Fragmente, Bildfetzen, Wortkrümel, semantische Versatzmomente; jeder Mensch ein mehr oder weniger unendlicher Vorrat, der sich täglich an groben Risslinien in ein Ich zusammenkittet. Liebe, Zufriedenheit, Glück, Leid, Krankheit, Erfolg, Freunde, Geliebte, Krisen, Unrecht, das Gute und Böse — das haben wir gelernt, etwas ist anprobiert und in Fetzen kleben geblieben, nicht an dem, was uns am besten steht, sondern was einst mal funktioniert hatte und jetzt am einfachsten ist. Einmal nur haben wir uns im Spiegel herausgeputzt und dann hat uns jemand beigebracht die verschüchtert grinsende Reflektion mit so viel zähem Ernst zu überschütten, dass es jedem nicht Betäubten übel werden müsste. Mancher hat sich seit dem nie wieder angesehen. Und warum sollte er? Tausend Freunde versprechen ihm, dass er etwas Besonderes ist. In ihren Augen steht die Angst es nicht selbst gesagt zu bekommen, ihre Knochen taub vom ewigen Gefühl eigentlich völlig alleine zu sein. Tausend und ein Idiot werfen einen unwissenden Blick auf, was immer er sich ausgesucht hat um die Einzigartigkeit, die ihm einst versprochen wurde, einzulösen. Und wenn sie sich sehen, sind sie gerührt, völlig am Ende vor Begeisterung. Dann lernt das Ganze zu sprechen, zwingt Begeisterung in seine Stimme, weil er an seine letzte Chance glaubt und ihm niemand gesagt hat, dass nur jene Menschen mit ungezügelter Begeisterung sprechen, die etwas nicht selbst zu tun vermögen: Schwierigkeit wird immer nur von den Inkompetenten, den Stolzen, behauptet.

Ich bin ein Betrüger, ebenso wie jeder andere auf dieser Welt. Ich kann nichts, weil es nichts gibt. Jeder einzelne Mensch besitzt und vermag nicht das Geringste und in Wahrheit ist das die Freiheit nach der alle immer so verzweifelt suchen. Aber wahrscheinlich muss man Ihnen erst die Köpfe zerschlagen, damit sie das verstehen. Welch milchtrüber, schnaubend, rot versprühter Nebel uns auch den Blick verstellt, den Mann will ich sehen von dem am Ende mehr als Zufall übrig bleibt.

Menschen sind das einzige, woran es uns nicht mangelt. Oder glaubt noch wer an das Gefühl allein zu sein?

Hüpf, Häschen, hüpf!

26/01/2010

Midnight Rambling

This is life,
pumping through your veins,
so warm,
so fresh,
so kind,
it’s true when it feels alright.

Have you ever made any dream come true?
Have you ever seen sunrise in face of total victory?
Have you ever walked home
on a kind and gentle summer night?
And wept and felt that this is it,
this is destiny and
prying life’s
final worth and reason?

Have you missed it?
It’s right there,
in between daily shadows common plight.

And when she screamed,
I felt alive,
and when they cried
that life will never be the same,
I felt crisp,
and sharp
and right,
and when they said
you died in vain,
I felt colorful and ripe,
right to the end,
and when they said,
that fun is never to be seen again,
ecstasy engulfed my soul.

And I danced like a thousand strings,
commanded my destiny.
This is it,
this is now,
make it shout,
make it count.

22/01/2010

Wirre Worte (37)

And I took you by the hand
And we stood tall,
And remembered our own land,
What we lived for.

(…)

I will die alone and be left there.
Well I guess I’ll just go home,
Oh God knows where.
Because death is just so full and mine so small.
Well I’m scared of what’s behind and what’s before.

Song is called “After the Storm”. Beautiful.

20/01/2010

Looking through her red box of memories

“You’re a drunk!”
“Yes, Sir, I am drunk and I will drink till my sorrows are gone”
Und Elizabeth Taylor rennt ihm nach.
Weil Sie ein Kind von Ihm will.
Das passiert heute nicht mehr.
Das Kind war wichtig,
nicht der Mann,
ich bin geneigt,
zu glauben:
“Das war richtig so.”

Was Frauen wohl sehen,
wenn sie in den Spiegel blicken?
Eines Künstlers Leinwand?
Ist sie einzudecken,
mit Farben, Schnitten, Strichen?
Oder Alter?
Alter-tum…
Merkt sie, wie sie fühlt,
und achtet dann auf ihr Gesicht?
Oder achtet sie auf ihr Gesicht,
und fühlt sich dann entsprechend?
In diesen Kleidern, das weiß ich genau,
lieb ich dich, so bist du wahrhaft,
Frau.
Old Man is a giddy thing.

Irgendjemand muss immer was sagen,
wenn er an meinem Fenster vorbeikommt.
Empörung, weil
man kann es sich nicht vorstellen,
kann man es glauben?
Freude meistens ohne Grund,
so ist es gut.
Und dann quietscht ein Fahrrad,
oder ein Kind.

Manchmal schwebt über dem
weißen Butterbrotpapier,
das da seit Jahren klebt,
ein Ballon entlang,
oder eine Fahne,
manchmal ein doofer Hut.
Manchmal bunt.

Drinnen schlägt das Licht,
das gerade das Fenster durchbrochen hat,
von der Wand zurück,
in den Spiegel,
in mein Gesicht,
und wieder zurück,
hin und her,
irgendwann formt es,
zwei helle Flecken,
unter meinen Pupillen.
Manchmal sind meine Augen blau,
manchmal sind sie grün.
Manchmal sind sie sich nicht einig.

Diesmal wars das wohl,
hab ich Recht mein Freund?
Sie tritt von hinten,
an mich heran,
zwei Hände auf meinen Armen,
sie schüttelt und rüttelt,
mein Kopf fliegt auf und ab,
und knackt.
Bin wieder da.

Kürzlich hatte ich den Wunsch,
aus allen Dingen,
nicht mehr mich starren zu finden,
kalter Schweiß ein Leben lang,
überall Ich,
ist das ekelhaft.

Ich kannte mal eine Frau,
die war unfassbar schlau,
die ließ mich durch eine andere wissen,
dass sie nicht verfügbar sei,
ohne dass die zweite je wusste,
was ich empfand.

Das war so nebenbei,
dass ich aus der Welt verschwand,
so nackt,
ist alles nie wieder gewesen.

I got my gun and said: “you haven’t met me,
— I’m your only son.”

03/11/2009

All the Best…

Pictures are flashing through my mind lately. Weird moments of looking at me from above and whole scripts play out. Four, Five, six scenes in rapid order. They are dramatic actions or little details: grown-up people standing in awe while looking at a man in a weird hat, who goes spastic on the ground, a girl ripping a beautiful lilly just presented to her into a thousand pieces, a little boy forgetting about gravity and walking on air like on stairs. I grab something anything for support. I blink and everything turns back to normal. A stale taste invades my mouth. The cold around me… I stare at my hand and remember how it touched a face…faces. They sport a weird look. Relief. Something disturbs them. What? They cannot tell. They wave a happy goodbye. And I dissolve like smoke. I blink and everything turns back to .. before. Whatever the mess you are, you mind! — Okay.

11/10/2009

Wirre Worte (33)

For the life of me I cannot remember
What made us think that we were wise and
We’d never compromise
For the life of me I cannot believe
We’d ever die for these sins

(The Verve Pipe – Freshmen)

22/09/2009

Von zu kleinen Leben…

“Der Mensch ist nicht gut, er ist immer gut. Das ist ein wesentlicher Unterschied.” Als Robert Musil diese Worte vor beinahe 80 Jahren schrieb, wird er Größeres im Blick gehabt haben, als ich in diesem Moment oder vielleicht jemals. Was er meinte war, dass jedem Menschen sein Leben mit seinen Taten jederzeit als gerechtfertigt vorkommen wird. Das Leben eines jeden Menschen ist erklärbar — aus seiner Perspektive. In unserer heutigen Zeit sind wir gewillt und geneigt es bei dieser Überlegung zu belassen, die Leben anderer Menschen gehen uns, sofern sie nicht unser eigenes Leben betreffen, nichts an. Zwar gibt es jene seltenen Momente, etwa wenn wir Recht sprechen, in denen wir dann doch urteilen müssen, eine Tat oder ein ganzes Leben muss “vermessen” werden, der ganze Vorgang eine “Anmaßung”. Es steht uns nicht zu, auch wenn wir über die allgemeine Beschaffenheit eines Menschen, etwa wenn wir über seinen Charakter gegenüber Dritten etwas aussagen sollen, dann nur noch mit den allgemeinsten Prädikaten operieren können und in diesem Fall gilt heute wie damals, was Klaus Mann einst an Gustaf Gründgens schrieb: “Mir ist von verschiedenen Seiten zu Ohren gekommen, dass sie sich über Jenny Goebbels kürzlich auf einer Veranstaltung mit den Worten geäußert haben, dass sie eine hinreißende, eine nachgerade ‘nette’ Person sei. Nun, was fällt hierzu ein, frage ich sie. Nett. ‘Nett.’ Nett sind sie alle.”

Nun wendet jedermann, belesen und beschlagen in der Stimmung von Zeit und Gegenwart ein, dass etwas anderes schlechterdings nicht möglich sei. Woher sollen wir wissen, was abgesehen von dem Zu-Sehenden hinter der Person steckt. Ein kleiner Ausschnitt nur im Hier-und-Jetzt, ständig eine Gegenwart von gerade mal drei Sekunden Länge um Vergangenheit und Zukunft zu scheiden und die doch alles ist, was wir mit Fug und Recht zu jedem Zeitpunkt als lebendig bezeichnen können. Und überhaupt, gelten Charakter und Identität nicht längst als widerlegt? Ist es nicht der Kontext, der das Individuum ausmacht und alles was wir unter Zwang als dessen Kern dann doch vermutet hätten nicht ein fundamentaler Fehler der Zuschreibung? Über den Kontext aber können wir noch weniger aussagen als über den Menschen, denn er ist völlig ohne Anfang und Ende und damit maßlos.

Vor solcher Komplexität muss gerade der gerechte Beobachter kapitulieren. Die Zeit macht alles nur noch viel schlimmer, weil schon getroffene Beobachtungen selbst bei den engsten Freunden sich in Schall und Rauch auflösen, widerlegt werden, die Neuauflage einer Situation, die wir als archetypisch charakterisiert hatten, zu Verhalten führt, das — isoliert betrachtet — chaotisch wirken muss. Es bleibt das dumpfe und taube Gefühl, dass es sich alles in allem um einen guten, zumindest nicht bösartigen Zeitgenossen handeln muss, schon weil man selbst ja mit ihm Zeit verbringt. Die Sicherheiten brechen mit wachsendem Alter auf breiter Front weg: was wir in unserer Jugend einst als großes Ziel postulieren konnten, erweist sich zunehmend als Ding, von dem wir eingestehen müssen: “Es ist nicht so einfach.” und die zwei Fußbreit Wirklichkeit, für die wir eben noch das Wahre beschwören konnten, zerinnen uns zwischen den Fingern. Unser Leben wird stetig kleiner.

Betrachtet man Menschen länger, wird deutlich, dass die Welt oft hinter einer Blase aus anderhalb Metern in jede Richtung endet. Die Misere der Moderne, das Anmaßung eben (und zurecht) Anmaßung ist, endet in der Einstellung des Versuchs. In der modernen Welt ist Platz für einen Menschen, vielleicht zwei, der Rest bleibt abgebildet und zurückgeworfen im kruden Scherenschnitt der eigenen Befindlichkeit. Derartig von außen verursacht verlieren wir für diese unsere Verantwortlichkeit. Spontan können wir nun die Ungerechtigkeit unserer uns widerfahrenen schlechten Befindlichkeit nach draußen tragen oder die erlittene Freude und Großartigkeit herausposaunen.

Und dort wo dann einstmals ein Urteil stand, das heute so unmöglich geworden ist, steht fortan nur noch die stille Anstandsregel, zwischen zwei Bekundungen dem anderen Möglichkeit für die seinen einzuräumen.

26/06/2009

Wirre Worte (32)

Some day I’ll go where,
There ain’t no rain or snow
Till then I’ll travel alone
And I’ll make my bed

With the stars above my head
And dream of a place called home.

Written by country singer Kim Richey.

23/05/2009

Das Gefühl der mangelnden Fairness

“Das sich vor einem Mikrokosmos ein Makrokosmos auftut, weit, übermächtig, ein Abgrund von fremden, lichtüberstrahlten Treiben, das lässt das kleine einsame Selbst scheu in sich zurückweichen.”
(Oswald Spengler)